ZEIT IM BILD 20:17

Was man danach dazu sagte:

KZ_Kritik_ZIB17

 

Ebenso von Interesse: Unsere Wall of Shame!

 

Was wir davor dazu sagten (ein ganz alltägliches E-Mail):

Was Cobain und Spade betrifft, habe ich mir gedacht, dass man vielleicht auch mischen könnte, bei manchen stimmen Name+Zitat+Bild überein, bei manchen stimmen zwei Dinge, bei anderen gar nichts. Der Zugewinn liegt für mich dabei darin, dass wir „Internetmenschen“, wie Alona und Nev „uns“ genannt haben, permanent mit Informationen gefüttert werden, die auf verschiedenen Ebenen entweder schlecht recherchiert sind oder mit Absicht zu Missrepräsentation von Tatsächlichem führen. Im Sinne des berühmten Memes von dem ich dir eines beispielhaft angehängt habe (es gibt dasselbe noch mit in anderen Ausprägungen. Bsp.: Da Vinci: „Das dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass nie weiß, ob sie wahr sind.“). (Diese Meme sind ein unfassbarer Volkssport im Internet und du bist sicher in WhatsApp-Gruppenchats auch schon mit konfrontiert worden…)

Das Spade – Cobain – Young – Graffiti setzt in meinem Verständnis noch eine weitere Spitze auf das, wie wir mit Informationen umgehen. Information und ihre Beschaffung ist für jedes Lebewesen ein integraler Bestandteil von Weiterleben. Wir Menschen haben unsere Informationsbeschaffung zu einem eklatenen Anteil auf das Internet verlagert. Wir können mit dieser Form aber überhaupt nicht umgehen, unter anderem, weil wir evolutionär gar nicht darauf vorbereitet werden konnten. Wir sind keine vernetze Spezies. Und doch sind wir es zur Zeit. Sprache hat uns erstmals über physische Nähe hinweg miteinander in Verbindung gesetzt. Dass du mit jemandem, dem du gerade das erste Mal begegnest, sprechen kannst, ist eine erste Anlage von virtueller Vernetzung. Lesen und Schreiben führt diese Fähigkeit weiter und ergänzt eine Diskretheit, der geschriebene Text ändert sich über die Zeit inhaltlich nicht. Darum war der Druck ja auch so eine Revolution, die plötzliche Verfügbarkeit des Menschheitswissens demokratisiert und potentiell für alle! Und jetzt kommt das Internet hinzu. In einem zeitlichen Abstand, der für die Biologie in unseren Köpfen viel zu schnell geht. Wir haben das Lesen und Schreiben ja noch nicht mal richtig integriert, dies sind beides Vorgänge die zumindest teils exernalisiert stattfinden und ein Trägermedium brauchen von dem du liest, mit dem du auf etwas schreibst. Das Internet entfernt den Informationsbeschaffungsvorgang nun ganz offensichtlich noch weiter von der menschlichen Erfahrung. Unser vorgestelltes, internes Verständnis von der Welt ist unglaublich flexibel, aber unsere Verhaltensmuster in der Welt sind sehr irrational, lang erprobt und gemächlich. Darum finden wir Zitate von Menschen, die auf irgendeine Art und Weise Berühmtheit erlangt haben auch so interessant, weil die etwas in die Welt gebracht haben, das behaltenswert, fortführenswert ist. Wir wollen also deren Werk nicht vergessen, deren Mentalität ist eine, die wir für uns selber anstreben. Ganz sicher haben ganz, ganz viele frühzeitliche Genialitäten den Filter der Zeit nicht überstanden und sind uns heute und schon lange nicht mehr zugänglich. Auch hier war Sprache und Druckerei ein unglaubliches gutes Mittel zur Speicherung guter Ideen. Heute haben wir viel mehr Speicher als wir brauchen und die Menschheit merkt sich alles, der Einzelne versteht dessen Bedeutung jedoch nicht ( im Sinne von: was es heißt/ was es impliziert/ was es be-deutet). Es ist zu viel, als dass wir uns die Erklärung für jede Erkenntnis noch neben der Erkenntnis merken könnten. Darum haben die Menschen, meiner Meinung nach, verlernt zu argumentieren oder sich von Argumenten überzeugen zu lassen. Hauptsächlich geht Informationsbeschaffung wie folgt ab: (1) man begegnet einer Information. (2) Wenn sie nicht ins eigene Verständnis der Welt passt, (3) ignoriert man sie, denn man stößt sicher bald auf etwas, (4) das dann ins Weltbild passt. Dessen Begründung (5) muss man sich ja nicht selber merken, sondern im Internet kann man ja nachlesen, warum das jetzt noch mal richtig war. Nur wie ich vorher schon geschrieben habe, das tut ja niemand, Quellen kritisch recherchieren. Eben auch aus dem Grund. dass wir als biologische Wesen das gar nicht gewohnt sind.

Das ganze Graffiti spielt für mich in diese Liga. Ich lasse mich gerne davon überzeugen, dass die weitere Entfernung von der Darstellung wie sie tatsächlich richtig wäre in unserer Szene „nicht gut“ ist, aber in Verbindung mit dem, was ich von Informationsliteraität halte (der Fähigkeit zugetragene Informationen kritisch einzuschätzen), nämlich, dass man diese Fähigkeit gar nicht hoch genug halten kann, fände ich die weitere Verstrickung in Schwierigkeiten des Publikums, -zu beurteilen, womit es dort konfrontiert ist – sinnvoll. Dieses ist eine harmlose Meldung von Verwirrung gewesen, die bei wesentlich wichtigeren Dingen sofort den amüsanten Charakter verliert. Und eigentlich auch schon, wenn ich mir vorstelle, dass das ganze in einem Theaterstück mit mir gemacht wird. Ohne mein Wissen wird bei einer Inszenirung in München mein Bild, dein Name und irgendein Zitat von Alice Schwarzer in Bezug zu einander gezeigt. Ich wüsste nicht, was ich davon halten soll. Mindestens wäre ich beunruhigt, vielleicht wäre ich auch beunruhigt genug, wenn mein Bild ihr Zitat und ihr Name dort stünde, das will ich gar nicht sagen, mir ist die ganze Thematik, die ich sofort in diese Meldung projiziere aber zu sehr ein Anliegen, um es nicht komplett zu übertreiben/überdrehen/auszustellen. Ich würde soweit gehen und sagen Informationsliterarizität ist zwingend notwendig, wenn wir Weltkrieg und Bürgerkrieg verhindern wollen und den Wissenschaftsbetrieb fortführen wollen. Aber dazu dann vielleicht persönlich und nur bei Bedarf mehr.

Kurz: Die Vertauschung von Zitaten und Bildern geht für mich nicht weit genug. Das Problem ist zu groß und der Umgang mit Falschmeldungen zu problematisch. Für mich ist das im Stück der absolut bewusste Moment von Verwirrung und Unmündigkeit des Publikums. Jeder hat eine Ahnung, dass hier was nicht stimmt, aber wie weit die Ahnungslosigkeit reicht kann keiner ermitteln. Das ist die größte vorstellbare Gefahr.

Puh da hab ich jetzt ganz schön in die Tasten gehauen….

Ob der Witz verloren geht, weiß ich nicht. Was ich aber dramatisch interessant dran finde ist, dass dann diejenigen, von denen die Aussagen tatsächlich stammen gar nicht mehr teilnehmen. Die werden also auch entmündigt.