the rabbithole

Eine Leseliste aus der Uni

Mission Statement

Ich glaube an utopische Ideen. Jede Geschichte erzählen wir, weil wir die beschriebenen Ereignisse und Personen für persönliche Handlungsorientierungen mit bedenken. Wenn ich mich in dieser oder jener Situation befinde, dann kann ich mich so oder so verhalten und dies könnte die Reaktion meiner Umwelt auf mein Verhalten sein. Utopische Ideen sind für mich das Bestmögliche nach dem wir unsere Handlungen ausrichten können. Eine wirklich gute Idee muss erst formuliert werden bevor ich auf sie Bezug nehmen kann. Und noch besser ist es, wenn diese gute Idee eine gesellschaftliche Dimension hat, Kulturgut einer Gemeinschaft ist.

für das Semniar „Politische Utopien“ liest die Lena gerade:

Thomas Morrus – Utopia
Eine Kritik des englischen Rechtsystems der Zeit (1516 verfasst) und der erste Vertreter des erfolgreichen Genres „Sozialutopie“. Bei allen für uns heute seltsam klingenden Ideen, hier war ein Autor am Werk, der nach dem Vorbild Platon den besten Staat zeichnen wollte und sich über bestehnde Strukturen hinweg setze. Frieden und gerechte Arbeitsbedingungen vertretend, kann man Morus als Prähumanisten bezeichnen. Besonderheit: Religionsfreiheit der Bürger.

Francis Bacon – Neu-Atlantis
Ebenfalls an Platons Idee angelehnt, einen idealen Staat beschreiben zu wollen, verfasst Bacon einen Reisebericht aus der Sicht einer Schiffbrüchigen Mannschaft, die in Bensalem (Sohn Jerusalems) Rettung findet. Man findet dort eine Gesellschaft vor die sich der Wissenschaft als höchster Einrichtung verschreibt und die eine christliche Offenbarung erfahren hat. Während bei Morus Schlichtheit und Pragmatismus auch die Ästhetik dominieren, findet Bacon detailierte Beschreibungen für Prunk in dem aber kein intrinsischer Wert liegt. Jeder wird für alles gerecht entlont und so stößt es auf völliges Unverständnis, wenn die Reisenden, neben dem verbalen, irgendein anderes Gut als Dank anbieten. Die Einwohner Bensalems sind in jeder Begegnung höflich und geordnet. Fransic Bacon war zeit seines Lebens Empirist. Er setzte sich begeistert für wissenschaftliche Instrumente und Experimente ein.

Tommaso Campanella – Die Sonnenstadt
Was für ein dichtes Werk. Und was für ein Leben. Campanella war mit 24 Jahren zum erstem Mal zum Tode verurteilt (wegen Ketzerei) und wurde doch 70 Jahre alt. Auf der Flucht, eingekerkert oder gefoltert verbrachte er den Großteil seines Lebens und er schrieb. Beständig. (Unter anderem schreibt er, 1605, von einem Europa ohne Grenzen.) Die Sonnenstadt ist die Beschreibung einer Gemeinschaft, deren gesamte Organisation auf metaphysischen Grundannahmen aufbaut und strikt hierarchisch ist. Das Staatsoberhaupt ist der fähigste Theologe und Wissenschaftler, der Sole. Die Erbsünde zu einer Erbstrafe uminterpretierend, sieht Campanella das Übel seit der Vertreibung aus dem Paradies in der Welt. Durch Orientierung an der Wesenheit der Dinge und ihren Zusammenhängen sei es möglich dieses Übel zu überwinden. Im Dichter sieht Campanella den, der nicht nur über die Wahrheit berichtet, sondern das Wesen der Situation hin zu geben muss und damit, anders als ein Berichterstatter, nicht komplett an den faktischen Verlauf gebunden ist.

Richard Saage – Politische Utopien der Neuzeit
Ein Vergleich verschiedener Werke verschiedener Epochen und ihrer geschichtlichen Abhängigkeit. Ein Punkt den ich sehr interessant finde, in welches politische Klima, in Anwesenheit welcher Technik und auf welche Gründe stützt sich ein jedes utopisches Werk. Galileo richtet ab 1609 sein Fernrohr in den Himmel und setzt damit ein Zeichen für die Wissenschaft. Francis Bacon ist dabei auf das Instrument, die experimentelle Praxis fokussiert. Tommaso Campanella stellt den in den Himmel sehenden Menschen ins Zentrum. Die Philosophen der Neuzeit fragen noch nicht nach der Geschichte einer Idee, es gibt noch die Idee des Absoluten. Wie Hegel später schreiben wird, das Ende der Geschichte. Die frühen Utopisten schreiben so als könnten wir, wenn wir nur alles genau genug wüssten, alles universal-optimal einrichten. Mit den Revolutionen im späten 18. Jh ist das außer acht lassen der Geschichtlichkeit von Umständen und kursierenden Ideen nicht mehr möglich. Warum? Dazu vielleicht später mehr.

Friedrich Engels – Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft
Ein Rhetoriker. Und einer, der wie angekündigt die historischen Bezüge aufnimmt.

t b c . . .